The Line - Das Logo
Die aktualle Seite

Tunnelblick

Wer kennt sie nicht – die großen Photographen unserer Zeit ... Würde uns an dieser Stelle auch nur ein passender Name einfallen, wir würden ihn sofort nennen (wie heißt bloß der Kerl, der die scharfen Photos für den Pirelli-Kalender schießt?). Egal.

Wir wurden gebeten, der einzigen und erstaunlichsten Sammlung österreichischer Tunnelphotos ein kurzes Vorwort zu widmen. Es soll dies zu einer flammenden Hymne für die großartigen und oft mehr als entbehrungsreichen Pionierleistungen eines Berufsstandes geraten, dessen Mitglieder bereits an ihrem äußeren Erscheinungsbild unzweifelhaft zu erkennen sind: den Tunnel-Photographen!

Kein Landschafts-, Mode- oder Pressephotograph wird je über solch leichenblassen Teint, pergamentartig durchscheinende Hautfarbe und überdimensional hervortretende Glotzaugen verfügen wie die Vertreter der Berufsgruppe der Tunnel-Photographen. Das Äußere eines Tunnel-Photographen hat sich im Laufe der Jahrzehnte in nahezu perfekter Weise an die Notwendigkeiten, die ihm vom beruflichen Alltag abverlangt werden, angepasst. Diesen unbeachteten Rebellen, bisher Randfiguren der Kunstgeschichte und unbedankte Grenzgänger zwischen Licht und Schatten, ist die nachfolgende Präsentation der eindrucksvollsten Werke ihres Schaffens gewidmet.

Die schönsten Photographien getunnelter Bahnstrecken Österreichs.
Beginn der Serie

Krauseltunnel, 13,5 m Länge
Eröffnung 1854
Das schwarze Loch, Aloisius B. Lind

In der Vergangenheit gab es immer wieder kühne Vorstöße, den kürzesten Bahntunnel Österreichs aus einem fahrenden Zug heraus zu photographieren; Legionen mutiger Pioniere sind an diesem Vorhaben gescheitert und zerbrochen; die hier gezeigte Aufnahme stellt den ersten und bisher einzigen gelungenen Versuch dar

Karawankentunnel, 7.976 m Länge
Eröffnung 1906
In der Fremde, Genoveva Sehk-Raft

Der Karawankentunnel verbindet das österreichische Rosenbach mit Jesenice in Slowenien; die Künstlerin vermittelt mit ihrer Aufnahme, entstanden kurz nach der Überquerung des in der grenzenlosen Dunkelheit kaum zu erahnenden Grenzverlaufes, die Angst des österreichischen Inländers vor dem Unbekannten, das hinter der Schwelle des imaginären Zollbalkens verborgen liegt; der Ausdruck der Unsicherheit eines beklommenen Dämmerzustandes wird nicht zuletzt durch die hier angewendete Technik einer Totalverzitterung des Bildausschnittes erreicht; im Moment der Aufnahme erzielt durch das vollkommen unkoordinierte und materialermüdende Hinunterreißen des Auslösers.

zu Teil 2

© The Line, 2003