Gähn-Gefahr
Als absolut ernstzunehmende Quasiwissenschaftler können wir uns den aktuellen Problemen und Ängsten der Menschheit nicht verschließen. Ein Top-Thema dieses Jahrzehnts ist die Gähn-Technik und die zunehmende Gefahr, die aus diversen Versuchen entsteht. Eine große österreichische Tageszeitung wirbt sogar mit dem Slogan: "Wie groß ist die Gähngefahr wirklich ?" Um dieser Frage nachzugehen, haben wir keine Mühen (wohl aber Kosten) gescheut und unseren ersten Gähn-Selbstversuch durchgeführt. Hier veröffentlichen wir nun erstmals und exklusiv unsere ersten Erkenntnisse.
Als auffälligstes Phänomen mußten wir feststellen, daß die Gähn-Gefahr in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tageszeit bzw. dem natürlichen Schlafbedürfnis des Menschen steht. Kurz nach dem Aufstehen ist die Gähn-Gefahr enorm. Dabei kann unter zwei grundsätzlichen Gähn-Praktiken unterschieden werden:
- Das verhaltene Gähnen. Dabei wird der Mund nur ganz wenig geöffet – oft unter Hervorbringung wenig ansehnlicher Grimassen. Daher wird das Gesicht verschämt mit einer Hand, mit beiden Händen oder ähnlichen anderen dafür geeigneten Gegenständen bedeckt.
- Das "Urschrei"-Gähnen. Hierbei wird der Mund im maximal möglichen Aufklappwinkel bis zum Anschlag geöffnet – diese Bewegung wird meist mit urtümlich und animalisch anmutenden Geräuschen unterlegt. Dem unbedarften Beobachter ergeben sich dadurch auch tiefreichende Einblicke in Körperregionen, auf die wir hier magenschonenderweise nicht näher eingehen möchten.
Eine häufige Gähn-Tätigkeit konnte auch um die Mittagszeit bzw. nach einer Aktiv-Phase von etwa sechs Stunden, vorzugsweise nach Einnahme von ausreichender Nahrung, beobachtet werden. Vor allem bei Menschen mit sitzender und/oder geistiger Tätigkeit ist die Gähn-Gefahr hier weitaus größer als bei solchen, die körperlich anstrengende Arbeiten ausführen.Nach einer Wachperiode von ca. 14 bis 18 Stunden, also im Normalfall in den späten Abend- bzw. frühen Nachtstunden ist ein sprunghafter Anstieg von Gähn-Anfällen zu bemerken. Hierbei scheint das "verhaltene Gähnen" die häufigste Variante zu sein. Um diese Zeit folgt der Gähn-Tätigkeit meist eine ausgedehnte Ruheperiodem, während der bisher noch keine Gähn-Versuche festgestellt werden konnten.
Die einzige wirkliche Gefahr, die aus Gähn-Versuchen resultieren, stellt zweifellos die Kiefersperre dar. Zudem ist ein gewisses Risiko bei Gähn-Versuchen während der Autofahrt zur Zeit der beginnenden Ruheperiode (siehe oben) nicht von der Hand zu weisen. Die Gefahr hierbei geht jedoch nicht vom Gähnen selbst aus, sonder eher von der dadurch auftretenden Ablenkung.
© The Line, 1998
