Die Überplattung
Ein modernes Wort der Baubranche hält derzeit Einzug in den Sprachgebrauch: die Überplattung. So werden (natürlich bevorzugt in den Sommermonaten und zur Hauptreisezeit) Autobahnen, Schnellstraßen, Wald- und Wiesenwege und überhaupt nahezu jeder Wildwechsel überplattet. Einen wesentlichen Faktor der Überplattung hat die Wissenschaft jedoch derzeit noch nicht ausgeschöpft.
Dazu folgendes Szenario (jeder kennt es, jeder erlebt es täglich): Die moderne Welt verzichtet ungern auf faustgroße Löcher in der Ozonschicht und auf gnadenlosen Sonnenschein, der selbst Schwarzafrikanern zu einer nie zuvor gekannten Tiefenbräune verhilft. Doch glücklicherweise wechseln sich die Sonnenstrahlen zunehmend häufig mit saurem Regen, der vielleicht auch atomare Rückstände von den letzten oberirdischen Atombombenversuchen Andorras enthält und den Stadtbummel oder den Ausflug in die Natur zu einem unvergeßlichen Erlebnis macht (solange man dabei nicht von taubeneigroßen Hagelkörnern erschlagen oder von mutierten Waldameisen aufgefressen wird).
Doch das einzige wirklich tragische Problem der heutigen Zeit: Die Verkehrsmassen, die stundenlange Staus, der tägliche Horrortrip zum Arbeitsplatz.
Was dies alles miteinander und mit der Üerplattung zu tun hat? Wir demonstrieren dies am Beispiel Wiens, der größten Ortschaft Österreichs: Was, wenn man über ganz Wien eine (Beton)Platte legt? Da diese Platte für Lichtstrahlen gänzlich undurchlässig ist, werden automatisch auch schädliche UV-Strahlen abgehalten. Die unter der Platte herrschende Dunkelheit kann leicht durch die Anbringung von Hochleistungsscheinwerfern beseitigt werden. Wenn nun noch die Unterseite der Platte himmelblau angemalt wird, können Sie bei Ihrem Spaziergang immer das prachtvollste Wetter erwarten. Durch die Montage mehrerer Heizstrahlerbatterien bleibt auch die Temperatur immer auf einem angenehmen, frühlingshaften Wert.
Das Verkehrsproblem hingegen
läßt sich durch die Stadtüberplattung auf wunderbarste Weise lösen: Die Fahrzeuge bewegen sich einfach AUF der Platte! Da dort weder Gebäude
noch andere lästige Hindernisse den Weg versperren, kann sich jeder Autolenker (mehr oder weniger) seine eigene, ganz persönliche Spur
wählen. Es kann kein Stau entstehen, da man bei erhöhtem Verkehrsaufkommen einfach neben dem Vordermann vorbeifährt. Die Lärmbelästigung, die auf
der Oberseite der Platte herrscht, kann an ihrer Unterseite bereits nicht mehr wahrgenommen werden.
Die Anrainer des Flughafens können ebenso aufatmen: Flugzeuge landen zukünftig direkt auf der Platte!
Thema Umweltschutz: Wegfall aller (nicht körperlichen) Abgase (Rauchfänge, Schlote und Fabriksschornsteine werden bis über die Oberseite der Platte verlängert). Auf Wunsch kann für kleinere Ortschaften die Platte auch aus Plexiglas gefertigt werden, damit der Anblick des natürlichen Himmels erhalten bleibt. In der Endausbaustufe muß selbstverständlich eine Überplattung ganz Österreichs angestrebt werden, die dann über den EU-Raum, Europa und ganz Eurasien ausgedehnt werden kann.
© The Line, 1998
