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Politik

U F O

Bisher unbekannte Partei kandidiert für Nationalrat!

Der Wahlausgang ist wieder völlig offen

U F OWie die Bundeswahlbehörde des Innenministeriums mitteilt, wurde eine weitere Partei zur Nationalratswahl zugelassen. Die eigentliche Überraschung: die bisher völlig unbekannte Gruppierung mit dem klingenden Namen

"UFO – Ungustl-Forum-Oesterreich"

konnte in jedem Bundesland die Hürde der notwendigen 2.600 Unterstützungserklärungen nehmen und kandidiert daher österreichweit!

Auf dem ersten Listenplatz der "Ungustln" ist mit Karl N. ein ebensolcher gereiht, der in seinen Wahlkampfreden bisher vehement für einen Kurs der Entspannung eingetreten ist – daher ist es auch sein größter Wunsch, sich mit öffentlichen Parteimitteln ein Wohnhaus mit Swimmingpool, Tennisplätzen und Golfanlage errichten.

In der Bundeshauptstadt kandidiert Franz L. in der Position des Spitzenkandidaten. Sehr zum Ärgernis anderer Parteien verteilt er während seiner Wahlveranstaltungen haufenweise ungedeckte Kinderschecks, abgelaufende Pizza-Gutscheine und Lebensmittel-Marken aus dem Jahre 1944.

In den Lagern der Mitbewerber steigt aufgrund dieser unerwarteten Entwicklung die Nervostiät merklich: aus mehreren politischen Lagern wurden bereits gezielte Vorwürfe in Umlauf gebracht, die 41.584 unterstützenden Unterschriften wären nur mit einem einzigen Kugelschreiber geschrieben und würden sich irgendwie ähneln. Diese wurden von den beiden Spitzenkandidaten in ihrer ersten Pressekonferenz – zu der beide mit bandagierten Handgelenken erschienen waren – als haltlose Unterstellungen zurückgewiesen.

Das große Ziel des Ungustl-Forums ist es nach eigener Aussage, reich zu werden und den Bundeskanzler zu stellen, ohne dabei Regierungsverantwortung übernehmen zu müssen. Ein Hauptanliegen der Partei ist es auch, den "Nationalen Aktionsplan zur zentralen Einnahme von Almosen" (NAPALM), die dann unmittelbar und ausschließlich den Spitzenkandidaten zugute kämen, durchzusetzen.

Zu ihrer Ansicht vom "schlankeren Staat" befragt, meinten beide, es wäre durchaus eine Zusammenlegung des Außen- und Innenministeriums, des Verteidigungs- und Wissenschaftsministeriums sowie des Landwirtschafts- und Verkehrsministeri-ums vorstellbar. Jedoch halten sowohl Karl N. als auch Franz L. die Neuschaffung eines Kleingärtner-Ministeriums sowie die Einrichtung eines dem Finanzministeriums gleichgestellten Almosenministeriums in Zukunft für unverzichtbar.

Eine erste repräsentative telefonische Umfrage, die bei Karl N., dessen Schwester Renate N., Franz L. sowie dessen Gattin Monika B., weiters unter Roland St., Thomas S., Susanne K., Christian E. und Günter B. (Namen der Redaktion bekannt, alles Bekannte und Verwandte der Spitzenkandidaten) durchgeführt wurde, deutet auf einen völlig unerwarteten Erdrutschsieg des Ungustl-Forums hin. Zu dieser überraschenden Entwicklung befragt, meinte Franz L. nur, daß es eigentlich auch sehr lustig sein müßte, Bundespräsident zu sein.

(Ähnlichkeiten der beiden Spitzenkandidaten mit führenden Mitarbeitern von THE LINE sind keinesfalls rein zufällig und auch nicht völlig unbeabsichtigt.)

 

© The Line, 1999